Region

Pézenas, ein Theater unter freiem Himmel


Vom Team Mademoiselle 5 Min. Lesezeit

Hohe grüne Türen mit vergoldeten Eisenbeschlägen unter gemeißelten Steinbögen, daneben eine schmiedeeiserne Laterne

Mitte des 17. Jahrhunderts spielt Molière in Pézenas vor den Ständen des Languedoc. Die Stadt hat die Kulisse bewahrt: Stadtpalais, gepflasterte Gassen, die Werkstätten der Kunsthandwerker und einen Markt, der seit fast sechs Jahrhunderten jeden Samstag stattfindet. Ein Tag genügt, um sie zu durchstreifen. Man kommt wieder, um sie zu genießen.

Molière und die Stände des Languedoc

Pézenas ist mehrmals Tagungsort der Stände des Languedoc, der Versammlung der Provinz. 1650 wird die Truppe von Charles Dufresne, in der Molière spielt, zur Unterhaltung der Abgeordneten engagiert. 1653 nimmt der Prinz von Conti, ein großer Herr und leidenschaftlicher Theaterliebhaber, die Schauspieler unter seinen Schutz: Sie halten sich 1653 und 1654 in der Stadt auf, dann noch einmal während der Sitzungsperiode der Stände im Winter 1655–1656. Dieser Schutz endet, als sich der Prinz der Frömmigkeit zuwendet, und die Truppe verlässt bald darauf die Region.

Nach örtlicher Überlieferung verweilte Molière gern im Laden des Barbiers Gély, nur um die Vorübergehenden zu beobachten. Diesen Jahren im Languedoc schreibt man so manchen Zug seiner späteren Figuren zu. Marcel Pagnol fasste es in einem Satz zusammen: „Wenn Jean-Baptiste Poquelin in Paris geboren wurde, so wurde Molière in Pézenas geboren.“

Entlang des Cours Jean-Jaurès, in Richtung Theater, tragen Keramikplatten die Fußabdrücke von Theaterleuten: „les pas de Molière“, die Schritte Molières. Jedes Jahr hinterlassen dort beim Festival, das dem Dramatiker gewidmet ist, neue Künstler ihre Spur. Das Theater selbst wurde 1803 in einer ehemaligen Kapelle einer Büßerbruderschaft eingerichtet und 2012 wieder für das Publikum geöffnet. Es steht als Monument historique unter Denkmalschutz.

Stadtpalais und verborgene Innenhöfe

Pézenas war eine der ersten Städte Frankreichs, die ihre Altstadt unter Schutz stellten: Das Schutzgebiet („secteur sauvegardé“) entstand 1965. Rund dreißig Stadtpalais aus dem 15. bis 18. Jahrhundert erzählen vom einstigen Wohlstand. Das Hôtel de Lacoste mit seinem Treppenhaus, das zwischen 1590 und 1603 erbaute Hôtel d’Alfonce, das Hôtel des Juvenel: Hinter gemeißelten Portalen öffnen sich Innenhöfe, Türme und Kreuzstockfenster.

Die Stadt liest man mit erhobenem Blick. Mehr als hundert Maskarone, in Stein gehauene Gesichter, schmücken die Fassaden. An einer Straßenecke markiert die Porte Faugères, ein Rest der mittelalterlichen Stadtmauer, den Eingang zum ehemaligen jüdischen Viertel, dessen Gassen ihren mittelalterlichen Verlauf bewahrt haben.

Unser Rat: Die privaten Innenhöfe entdeckt man bei den Stadtführungen oder wenn ein Tor einen Spalt offen steht. Bei den Europäischen Tagen des Denkmals im September öffnen sich noch mehr davon.

Eine Stadt des Kunsthandwerks

Pézenas trägt das Label „Ville et Métiers d’Art“ und hat seine Straßen zur Werkstatt gemacht. Kunsttischler, Glasbläser, Töpfer, Keramiker, Schmuckdesigner und Lederhandwerker arbeiten hier oft vor den Augen der Passanten. Die ehemalige Maison consulaire, ein Baudenkmal, beherbergt die Maison des métiers d’art mit einer großen Auswahl ihrer Arbeiten. Hier nimmt man eher ein Einzelstück mit als ein Souvenir: eine mundgeblasene Vase, eine gedrechselte Schale, ein signiertes Schmuckstück.

Pézenas ist auch eine Stadt der Antiquitätenhändler: Möbel, Fayencen und alte Fundstücke entdeckt man beim Bummel durch die Straßen.

Am Samstagmorgen: der Markt

Seit dem Patentbrief, den Karl VII. 1434 erteilte, hält Pézenas jeden Samstag Markt. Schon am Morgen belebt sich das Zentrum: Erzeugnisse der Region, Blumen, Kunsthandwerk und ein Biomarkt am Square du Poilu. Kommen Sie früh, schlendern Sie, und kosten Sie dann die Spezialität der Stadt, das Petit Pâté de Pézenas. Das süß-salzige Pastetchen mit Lamm und Zitronenschale geht der Überlieferung nach auf die Köche von Lord Clive zurück, der 1768 hier zu Gast war.

Der Poulain, der Karneval und Boby Lapointe

Der Poulain, ein Fohlen und das Totemtier der Stadt, führt den Karneval an. Er gehört zu den Prozessionsriesen und -drachen in Belgien und Frankreich, die die Unesco als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt hat. Fällt Ihr Aufenthalt in die Festtage, verpassen Sie seinen Auftritt nicht: Die ganze Stadt folgt ihm.

In Pézenas wurde 1922 auch der Chansonnier Boby Lapointe geboren, ein Freund von Georges Brassens. Ein kleines Museum und ein Festival in jedem Frühjahr halten seinen verspielten Witz lebendig.

Der Wein von Pézenas

Rund um die Stadt wachsen die Reben auf einem besonderen Terroir, geprägt von alten Lavaströmen aus Basalt. Die 2007 anerkannte Appellation Languedoc Pézenas ist Rotweinen vorbehalten. Sie gehört zu den Weinbaugebieten rund um unsere Villen. Wer sie entdecken möchte, ohne selbst zu fahren: Unser Concierge-Service organisiert den privaten Besuch eines Weinguts oder eine Weinprobe in der Villa mit einem Önologen.

Inmitten der Weinberge wohnen

Vor den Toren von Pézenas ist das Domaine Sainte-Cécile du Parc ein echtes Weingut: ein großes Haus mit Charakter inmitten von Reben, ein Garten, ein Pool und der Weinkeller ganz in der Nähe. Vormittags besucht man die Stadt, nachmittags badet man, und zu Abend isst man draußen, wenn die Hitze nachlässt. Das Meer bleibt in Reichweite, für einen Tag an den Stränden rund um Agde.

Zum Vergleich mit unseren Häusern am Meer finden Sie alle unsere Villen auf einer Seite. Jede wurde für ihre Umgebung ausgewählt und wird vor Ihrer Ankunft von unserem Team vorbereitet.

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